Ehrenamt

Wer kann Sterbebegleiter sein?

Sterbebegleitung ist nicht die Aufgabe einer Person alleine. Sie kann grundsätzlich alle Menschen mit einbeziehen, die während der letzten Lebensphase im engeren Kontakt mit dem Sterbenden stehen: Angehörige und Freunde, Ärzte, Pfleger, Therapeuten, Psychologen und Seelsorger. Die ehrenamtlichen Begleiter im Hospizdienst leisten jedoch die wichtigste Arbeit. Sie werden daher in der Sterbebegleitung geschult.

Voraussetzungen für Sterbebegleiter

Im Umgang mit sterbenskranken Menschen sind Empathie und Zuverlässigkeit unabdingbare Voraussetzungen. Der Sterbebegleiter wird zu einer wichtigen Bezugsperson für den Sterbenden.

Er kann ihm die letzte Lebensphase und das Sterben nur erleichtern, indem er zuverlässig und empathisch auf seine Bedürfnisse eingeht.

Respekt und Achtsamkeit

Ebenso wichtig sind Achtsamkeit und Respekt gegenüber dem Sterbenden und seinen Angehörigen. Dies gilt auch für religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen. Es ist nicht die Aufgabe des Sterbebegleiters, mit dem Patienten zu diskutieren. Vielmehr sollte er den Sterbenden reden lassen und zuhören können.

Keine Angst vor Schmerzen und Tod

Darüber hinaus dürfen Sterbebegleiter keine Berührungsängste haben, denn aus dem Umgang mit Sterbenden ergibt sich zwangsläufig eine Konfrontation mit Krankheit, Leid und Tod. Es kommt zu Körperkontakt bei alltäglichen Hilfestellungen und manche Sterbende möchten in den Arm genommen oder gestreichelt werden.

Eine gute soziale Einbindung und ein stabiles privates Umfeld können Sterbebegleitern dabei helfen, belastende Eindrücke besser zu verarbeiten und Stress auszugleichen.

Schulung von Sterbebegleitern

Viele Hospizdienste bieten obligatorische Schulungen für ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter an. In diesen Hospizhelferkursen wird der Umgang mit Sterbenden vorbereitet. Sie vermitteln Grundlagen der Gesprächsführung, Informationen zu Sterbephasen sowie zu den körperlichen und psychischen Veränderungen im Sterbeprozess. Auch die Reflexion des eigenen Umgangs mit Tod und Trauer und der Aufgabe als Sterbebegleiter gehört dazu.

Nicht zuletzt bereitet der Kurs die angehenden Sterbebegleiter auf die hohe emotionale Belastung vor, die eine Begleitung Sterbender mit sich bringen kann.

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Aufgaben in der Sterbebegleitung

Sterbebegleitung beginnt häufig mit der Diagnose einer tödlich verlaufenden Krankheit und sie endet mit dem Tod des Patienten. Aufgabe der Sterbebegleitung ist die menschliche oder seelische Betreuung in der Zeit dazwischen. Die körperliche Pflege des Sterbenden zählt jedoch nicht zu den Aufgaben der Sterbebegleitung (dies fällt in den Bereich der Pflegepersonen).

Kommunikation

Zu den wichtigsten Aufgaben in der Sterbebegleitung gehört es, viel und aufmerksam zuzuhören. Sterbebegleiter führen strukturierte Gespräche mit ihren Patienten, um die Bedürfnisse der Sterbenden zu erkennen und gut darauf eingehen zu können.

Sterbebegleiter vermitteln in der Kommunikation zwischen den Sterbenden und ihren Therapeuten, Ärzten, Pflegern und gegebenenfalls auch ihren Angehörigen. Bei Bedarf begleiten sie Gespräche.

Menschliche Nähe

Viele Sterbende haben ein großes Verlangen nach menschlicher Nähe. Auch diesem Bedürfnis kommen Sterbebegleiter nach. Das Gefühl, nicht allein zu sein und einen regelmäßigen Begleiter oder Gesprächspartner an der Seite zu haben, erleichtert vielen sterbenskranken Menschen den letzten Weg.

Zu jedem Zeitpunkt stehen dabei die Wünsche des Sterbenden und seiner Angehörigen im Mittelpunkt. Da alle Menschen verschiedene Bedürfnisse haben, kann auch Sterbebegleitung bei einzelnen Patienten sehr unterschiedlich aussehen. Manche wollen viel reden, andere wünschen sich Ablenkung durch Aktivitäten, wieder anderen reicht es aus, wenn jemand bei ihnen ist und ihre Hand hält.

Hilfe für die Angehörigen

Manche Sterbebegleiter sind auch nach dem Tod eines Patienten für die Angehörigen da. Sie versuchen Trost zu spenden und helfen dabei, die Bestattung zu organisieren.

Themen in der letzten Lebensphase

Viele Sterbende bewegen ähnliche Themen in den letzten Phasen ihres Lebens. Sterbebegleiter und ihre Patienten setzen sich häufig auseinander mit:

  • Ärger oder Trauer über ihre Situation
  • Gefühle der Unzulänglichkeit
  • Körperliche Beschwerden
  • Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen
  • Angst vor Schmerzen
  • Sorgen, anderen zur Last zu fallen
  • Nachdenken über den Sinn des Lebens
  • Erinnerungen an ihre verschiedenen Lebensstationen
  • Verpasste Chancen bedauern, Entscheidungen bereuen
  • Angst vor dem Tod und was danach kommt
  • Abschied von den Menschen, die sie lieben

Herausforderungen für Sterbebegleiter

Im täglichen Umgang mit sterbenden oder sterbenskranken Menschen ergeben sich zahlreiche Herausforderungen für die Begleiter. Sie müssen zunächst einmal die Konfrontation mit dem Sterben aushalten. Dadurch werden sie gezwungen, sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen – zumindest werden sie ständig daran erinnert.

Die Patienten selbst müssen nicht nur akzeptieren, dass sie sterben werden. Sie müssen auch mit ihren körperlichen Einschränkungen leben, die eigene Hilfsbedürftigkeit akzeptieren und Pflege von anderen annehmen. Zur Trauer über den Verlust – ihres Lebens, ihrer Fähigkeiten, ihrer körperlichen und persönlichen Freiheit – kommt häufig Hadern mit dem Schicksal oder Wut.

In dieser Situation stoßen auch geschulte Mitarbeiter bisweilen an ihre Grenzen. Da jeder Patient einzigartig ist und andere Bedürfnisse haben kann, gibt es kein „Patentrezept“ für den richtigen Umgang beziehungsweise die richtige Kommunikation. Daher stehen am Anfang jeder Sterbebegleitung solche Fragen wie:

  • „Welche Fragen darf man stellen?“
  • „Welche Antworten sind zulässig?“
  • „Welche Themen sollte man vermeiden?“
  • „Ist Hoffnung wichtiger als Ehrlichkeit?“

Dies ist ein komplexes Themenfeld, das vom Sterbebegleiter oft eine Gratwanderung zwischen Ehrlichkeit und Empathie erfordert. Insbesondere für frisch geschulte Sterbebegleiter kann es schwierig sein, einen angemessenen Umgang mit dem Sterbenden und seiner Situation zu finden.